Bauch gegen Kopf: Runde 3527

Aus dem Bauch heraus schreiben und sich von der Geschichte und den Figuren leiten lassen? Oder die ganze Handlung und ihre Hintergründe genau planen und sich strikt an diese Vorgaben halten? Was funktioniert besser? Das ist eine der grundlegenden Fragen des Autorendaseins.

Immer der Nase nach

Genauso gut könnte man auch fragen: Star Wars oder Star Trek? Beatles oder Stones? Schalke oder Bayern? Das Ergebnis wird immer circa 50:50 ausfallen. Den einen liegt das Plotten und Planen mehr, den anderen das kreative und ungebundene Schreiben aus dem Handgelenk. Oder sagen wir, es steht 33:33:33 – weil manche den Mittelweg, eine ausgewogene Mischung aus beiden Methoden wählen. Oder vielleicht sogar 25:25:25:25 – weil der Mittelweg nicht immer genau in der Mitte verläuft, sondern einmal mehr zum Plotten, einmal mehr zum Bauschreiben tendiert. Ich glaube daran, dass jeder Autor seine ganz eigene Arbeitsweise findet. Und das im Laufe von Jahren, in denen er Erfahrungen und Wissen sammelt und diese täglich einsetzt. Manche schaffen das indem sie ihre Arbeitsweise genau analysieren und optimieren. Andere denken nie wirklich darüber nach. Ich selber gehöre zu denen, die gerne planen, dann aber von der Kreativität oder auch Faulheit überrumpelt werden und alles was vorher fein säuberlich ausgeheckt wurde über den Haufen werfen. Ich feile noch an meiner Methode. Und ich erfinde sie für jedes Projekt neu.  

Reise ins Ungewisse

Bei Feuergabe habe ich die längste Zeit fröhlich vor mich hin geschrieben, mit der gröbsten aller Vorstellungen, wohin die Reise gehen soll. Erst später, als ich den Text vollständig vor mir liegen hatte, habe ich angefangen alles auseinander zu nehmen, genau zu untersuchen und zu überprüfen, zu streichen und hinzu zu fügen und alles in eine durchgehende, logische Form zu bringen. Ich habe genau geplant, um bei Version zwei alles richtig zu machen. Oder dann bei Version drei. Oder auch bei vier … Ich wollte nicht mehr an dem Punkt stehen, an dem ich einmal schon mit der Geschichte war, als ich meine Figuren in eine Situation hineinmanövriert hatte, aus der sie nicht wieder heraus kamen. Fast fünf Jahre lang habe ich herum gerätselt, bis mir die erlösende Idee kam. Diesen Zeitverlust wollte ich nicht noch einmal durchmachen.

„Kraken!“

Aus diesem Grund nahm ich mir für das nächste Projekt vor alles genau vorzubereiten. Leider war das nächste Projekt Königskinder, das wie die Flying Dutchman aus der Tiefe aufstieg und mich völlig überrumpelte und mitriss. Bevor ich irgendeinen richtigen Plan hatte ich schon hunderte Seiten geschrieben und meine Figuren waren über die ganze Welt verstreut und steckten tief in Schwierigkeiten. Am Anfang läuft es mit dem Bauchschreiben meist sehr gut. Aber es kommt immer der Punkt, an dem man nicht mehr weiter weiß, weil nichts zusammen zu passen scheint. Es kam wie es kommen musste und ich hatte wieder einen Blackout und eine monatelange Schreibblockade, ehe ich mich dazu durchringen konnte tatsächlich wieder zu plotten und zu planen. Damit in der Hinterhand habe ich mich ans Überarbeiten des alten Textes gemacht und als die Stelle kam, an der ich zuvor ins Plotloch gefallen bin, setzte ich mit einem Sprung darüber hinweg. Nur, um dann ziemlich bald wieder vor einer Mauer zu stehen. Mit anderen Worten: ich schreibe wie bei einem PC-Game ohne Safestand – immer von vorn, hoffen dass man den Gegner dieses Mal dank mehr Erfahrung und etwas Glück überwinden kann und dann weiter bis zur nächsten Hürde. Immer wieder vorn vorne, immer ein kleines Stückchen weiter. Bisher hat das ganz gut funktioniert.   Für meine nächsten Projekte habe ich mir natürlich wieder einmal vorgenommen alles anders und natürlich „besser“ zu machen. Für die meisten steht der grobe Plot schon und sobald ich entschieden habe, welches ich wirklich machen werde, will ich dieses Grundgerüst weiter ausbauen. Soweit die Theorie. Ich werde dann ja sehen wie es in der Praxis läuft, wenn sich wieder einmal Figuren in den Vordergrund drängeln und sich ganz neue Wendungen ergeben.

 

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