Ashala

Ich wollte ein paar meiner Figuren etwas näher vorstellen. Zum einen, weil ich die durchaus für interessante Persönlichkeiten halte, zum anderen, weil sich gewisse Dinge an konkreten Beispielen besser erklären lassen. Den Anfang macht Ashala aus Königskinder – Prinzessin von Amrash, Herrin des Hauses Kranwar in Duvall, Ehefrau, Mutter, Kämpferin und Hexe.

 

Inhaltliche Funktion

Im ursprünglichen Konzept von Königskinder, das ja auch schon einige (viele) Jahre alt ist, gab es Ashala noch gar nicht. Damals hatten die Prinzen von Amrash bereits Verwandte in Duvall, aber mit Ashala haben sie dann ein konkretes Ziel bekommen, was auch für den Leser zur Orientierung wichtig ist. Sie hat sich also praktisch selbst erschaffen und ich musste sie erst einmal kennenlernen und schauen, was so alles in ihr steckt.
Sie hat sich als wertvoller Neuzugang erwiesen, denn sie bringt die Trovai in den Krieg gegen die Alfain mit hinein und schließlich auch die Duvall. Sie versucht zumindest mit den Alfain zu verhandeln und zeigt insgesamt etwas mehr Verständnis, oder betrachtet die Lage zumindest differenzierter, was mir als Autor die Möglichkeit gibt, etwas tiefere Einblicke in die Situation der Alfain zu gewähren, damit die nicht als typische Fantasy-Antagonisten ohne wirkliche Motivation dastehen.
Und schließlich und endlich trägt Ashala einem bedeutenden Teil zur endgültigen Lösung mit bei. Sie hat sich also unersetzlich gemacht.

 

Charakter und Rolle

Ich habe mir leider schon öfter sagen lassen müssen, dass ich wenig weibliche Protagonisten habe und das stimmt im allgemeinen auch. Warum sie mir so schwer fallen? Wahrscheinlich weil ich mich meist im typischen Fantasy-Setting bewege, das größtenteils mittelalterlich und somit patriarchal geprägt ist. Das heißt für weibliche Protagonisten, dass ihr Kampf sich zunächst einmal auf der Ebene Indivuduum gegen Gesellschaft abspielt, bevor sie in den übergeordneten Konflikt eingreifen können. Und bis zu einem gewissen Grad werden sie diesen unterschwelligen Kampf um ihre Freiheit und vor allem Handlungsfreiheit immer weiter führen müssen.
Ashala ergeht es genau so: bevor sie ihren Brüdern zur Hilfe eilen und ihre Heimat und Familie verteidigen kann, muss sie erst aus dem gesellschaftlichen Gefüge der Duvall ausbrechen, das Frauen kaum Rechte einräumt. Wichtig war mir dabei nicht alle Klischees zu bedienen: die politische Heirat mit einem Unbekannten war für Ashala kein Schicksalsschlag. Sie wurde als Prinzessin dahingehend erzogen. Sie wusste immer, was auf sie zukommt und hat sich ihre Freiräume bewahrt. Ihre Ehe ist an sich harmonisch, sie mag ihren Mann sehr gerne, liebt ihre Kinder. Was aber nicht heißt, dass alles glatt läuft. Wie es nunmal auch im echten Leben ist.

Das macht für mich einen wichtigen Punkt in Ashalas Persönlichkeit aus, von dem ich denke, dass er typisch weiblich ist: Akzeptanz – die Bereitschaft Kompromisse einzugehen. Man könnte das als Schwäche interpretieren, aber Ashala nutzt es genau anders herum – als sie auf ihrem Weg nach Süden immer öfter mir der Beschimpfung “Hexe“ konfrontiert wird, nimmt sie diese an und macht sie zu einem Teil von sich.

 

Persönlicher Zugang

Vor ein paar Jahren noch hätte ich eine Figur wie Ashala nicht geschrieben – Mutter zweier Kinder und gerade wieder schwanger. Jetzt habe ich selbst Kinder und das Thema ist … ja, einfach ein großes in Königskinder, denn sie verkörpern mehr als alles andere Verantwortung und Verbundenheit. Ashala muss sich irgendwann auch entscheiden, wie sie ihre Rolle als Mutter am besten erfüllt: bleibt sie bei ihren Kindern, oder lässt sie sie in der Obhut ihres Mannes zurück, um ihre Zukunft zu sichern?
Und selbst wenn ich vor einigen Jahren versucht hätte so eine Figur zu schreiben, wäre ich wahrscheinlich gescheitert oder hätte mich zumindest auf Informationen aus zweiter Hand und damit Klischees stützen müssen. Es gibt einfach gewisse Dinge, die man besser versteht, wenn man sie am eigenen Leib erfahren hat. In diesem Fall spreche ich davon, wie schwer eine Schwangerschaft und auch alles, was danach kommt, sein können, welchen äußeren und inneren Belastungen man dabei ausgesetzt ist. Man ist emotional unglaublich anfällig, idealistisch und pragmatisch zugleich. Und bei Ashala trägt all das am Ende zur Lösung des Konfliktes bei.
Ich glaube, das ist mir fast das wichtigste an dieser Figur: Ashala ist eine starke Frau. Aber sie ist vor allem eine Frau und nutzt nicht die “Stärke“, wie sie von der Gesellschaft im Allgemeinen interpretiert wird – nämlich Durchsetzungsvermögen und logisches Denken – sondern wirklich alles, was in ihr ist. Und als echte Amrash zählt auch eine ordentliche Portion Temperament und Gemeinheit dazu.

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