Gewittertag

Ich jammere ja oft und ausführlich darüber, wie wenig Zeit mir momentan zum Schreiben bleibt, und wie mühsam alles ist mit Kindern. Aber ab und zu werde ich daran erinnert, warum ich Mutter sein wollte.

 

Wetterumschwung

Gestern hat es gewittert. Nach einem trüben Morgen und Sonne über Mittag, sind am Nachmittag schwarze Wolken aufgezogen und es begann in der Ferne zu grummeln.
Mein Großer fürchtet sich vor Gewittern, vor “dem Donner!”. Oder zumindest hat er das lange getan und ist seit Silvester lange Zeit jede Nacht aufgewacht, um zu mir zu kommen. Aber seit ein paar Wochen, mit einigen Trickfilmen in denen es gewittert hat und ein paar Maus-Videos, in denen Donner und Blitz erklärt wurden, und seitdem er weiß, dass wir “den Blitzableiter!” haben, sind Gewitter nicht mehr schlimm.
Gestern war es dann soweit: er hat eigentlich zum ersten Mal bewusst und direkt ein Gewitter miterlebt. Mit Sturmwind, Regen, Donner, Blitz und sogar Hagel. Wir haben zusammen zugesehen, wie die Wolken aufgezogen sind, wie es dunkler geworden ist. Wir haben dem Donner gelauscht und sind schließlich auf dem Boden vor der Terrassentür gesessen, um Blitze anzuschauen. Es war spannend, etwas gruselig und “gar nicht schlimm!”. Zumindest nicht, solange ich da war und mein Großer sich an mir festhalten konnte, wenn es nötig wurde.

 

Wenn Wünsche wahr werden

Ich habe mich nie so richtig dafür entschieden Kinder zu bekommen. Natürlich gab es irgendwann den Zeitpunkt, an dem ich gesagt habe: jetzt oder nie. Aber schon davor war mir immer klar, dass ich Mutter sein wollte. Und nach inzwischen bald drei anstrengenden Jahren, wurde mir gestern wieder in Erinnerung gerufen – oder vielleicht zum ersten Mal wirklich bewusst – warum dieser Wunsch in mir war.
Und er hat sehr viel mit damit zu tun, warum ich schreibe – vor allem Fantasy: ich habe diesem kleinen Menschen zugeschaut, wie er die Welt kennenlernt, furchtsam zunächst, aber mit Vertrauen in mich und einer großen Portion Neugier. Und ich habe mich daran erinnert, wie Gewitter für mich selbst früher waren: genauso gruselig dass ich Schutz bei meinen Eltern gesucht habe. Ich erinnere mich heute noch an die Vorhänge in ihrem Schlafzimmer, durch die die Blitze hindurch geleuchtet haben.
Ein Gewitter ist eine Urgewalt. Genauso wie es das Meer ist, oder die Berge. Darin liegt unsere Faszination für solche Dinge – sie sind überwältigend, unberechenbar, unbezähmbar und auch wenn wir sie inzwischen durch Wissenschaft verstehen, verlieren sie doch nichts von ihrer Größe, die uns erahnen lässt, warum wir Menschen früher in ihnen Götter gesehen haben. Sie sind etwas Magisches.

 

Nestwärme

Für meine Großen zumindest sind sie es auf jeden Fall noch. Er kann das nicht in Worte fassen, außer vielleicht “wild!”, wie er auch Eulen und Löwen beschreibt. Aber er spürt, dass es in der Welt mehr gibt, als er begreifen kann. Dann sucht er nach mir und bittet mich um eine Erklärung und vor allem Schutz. Und ich gebe sie ihm, wie meine Eltern sie mir gegeben haben.
Also saß ich gestern Nachmittag für einige Zeit auf dem Boden neben meinem Kind und habe mit ihm das Gewitter angesehen und mich selbst wieder wie ein Kind gefühlt, wieder verstanden, was Magie tatsächlich ist und wie wir Menschen gelernt haben damit umzugehen. Wir haben die Angst vor dem Unbegreiflich und Überwältigenden in die Kraft verwandelt, die uns zueinander hin treibt und uns zusammenschweißt. So können wir nicht nur Sicherheit finden, sondern diese Dinge sogar genießen. Inzwischen liebe ich Gewitter und das Prasseln von Regen, wenn ich Abends im Bett liege und mich einkuscheln oder sogar ankuschel kann.
Mit Büchern ist es nicht anders – man erfährt das Schaudern, die Spannung und das Überwältigende, das Magische und weiß, dass es gut ist, dass es solche Dinge gibt, dass sie wichtig sind, weil sie – obwohl sie uns manchmal Angst machen – uns vor allem Sicherheit geben.

 

Ich weiß nicht genau, ob das, was ich hier schreibe für alle verständlich ist. Aber es ist das, was ich in Feuergabe sagen wollte: so schwer das Schicksal auch ist, so lange die Reise und so hart die Kämpfe – man ist nicht allein.

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