Das halbe Leben

Ich sehe mich gerne als strukturierten Menschen. Mein Schreibtisch sagt etwas ganz anderes, aber lassen wir das mal beiseite. Ich versuche zumindest immer alle so strukturiert wie möglich anzulegen und auch die kreativen Ausbrüche wenn sie vorbei sind in geregelte Bahnen zu leiten. In einem Kreativloch gibt es kaum etwas angenehmeres zu tun, als zu ordnen und sich einen Überblick zu verschaffen.
Über den Sinn und Zweck der Ordnung habe ich ja neulich schon gesprochen. Heute zeige ich euch, welche Dokumente und Strukturen für diese Ordnung und damit meinen Schreibprozess wichtig sind.

 

Notizbuch

Für unterwegs – hier wandert alles hinein was mir in den Sinn kommt: Dialoge, Textfetzen, ganze Szenen, Listen, Ideen, Mindmaps, Skizzen … Niemand sonst sieht das, es darf also gehobelt werden bis die Späne fliegen.

Sammler-Datei
An sich das gleiche wie das Notizbuch in digitaler Form. Hierher wandern alle Ideenschnipsel und Hintergründe, womöglich sogar ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen. Nichts wird gelöscht, man schreibt einfach immer weiter.

 

Bilderordner und Playlist

Ein Ordner für digitalisierte Skizzen und sonstige Bilder – egal aus welchen Quellen – darf nicht fehlen. Hier kann man sich immer wieder durchklicken, wenn man nach Formulierungen für Beschreibungen sucht oder nach einem allgemeinen Feeling.
Gleiches gilt für Playlists mit passender Musik. Für Feuergabe habe ich eine aus Musikdateien auf meinem Rechner, für Königskinder einen Ordner voll mit Youtube-Links.

 

Plot-Tabelle, Kapitel-Tabelle

Eine meiner wichtigsten Tabellen ist eine Übersicht von Königskinder, in der alle Kapitelnamen, die Nummern und jeweilige Wortzahlen festhalte. Jedes Kapitel ist zusätzlich farblich einem Handlungsstrang zugeordnet bzw. wenn der Text noch nicht geschrieben ist, rot markiert. An sich ist diese Datei meine grobe Plotübersicht, wo ich sehe ob die verschiedenen Handlungsstränge gut ineinander greifen.

 

plot_ubersicht
Tabellen in denen ich den Plot der gesamten Geschichte und der einzelnen Kapitel zusammenfasse lege ich normalerweise im Nachhinein an, also wenn die Inhalte schon geschrieben sind. Dann übertragen ich alles in möglichst knapper Form in dieses Schema. Das hilft ungemein um Lücken und Ungereimtheiten zu erkennen. Für die Überarbeitung versuche ich dann meist zuerst einmal in diesen Tabellen alles sauber niederzuschreiben. Meist verlässt mich aber die Lust.

 

plot_kapitel
Angenehm ist es auch solche Tabellen auszudrucken und für einige Zeit handschriftlich weiter zu machen. Ich habe da immer das Gefühl mehr Überblick zu haben.
Für alle, die es mal damit probieren wollen, habe ich hier die Druckversion als Download: Plot, Kapitel

 

Zeitstrahl

rahmen

 

Sehr wichtig wenn man mehrere Handlungsstränge hat. Hier sieht man, wo sie sich kreuzen und miteinander interagieren können. Am besten trägt man alle wichtigen Ereignisse ein und markiert die größten Wendepunkte. Ich habe verschiedene Ebenen für die Figuren angelegt.
Hier sieht man auch sehr gut welche Zeiträume die einzelnen Kapitel jeweils umspannen. Wenn man in chronologischer Folge erzählen will hat man so die beste Übersicht. Auch solche Details wie Mondphasen kann man eintragen, um nicht nach jeweils 3, 7 und 13 Tagen immer wieder einen Vollmond zu haben. (Es sei denn das Worldbuilding sieht genau das vor.)
Auch für historische Ereignisse kann man einen Zeitstrahl anlegen.

 

Charakterbögen

Ich habe an anderer Stelle schon erwähnt, dass ich bei Charakterbögen ziemlich schnell die Motivation verliere. Angelegt habe ich aber trotzdem für alle Protagonisten einen und ab und an werfe ich einen Blick hinein. Ich habe einen sehr knappen Bogen erstellt, in dem nur einige Fakten und vor allem die Beziehungen der jeweiligen Figuren zu anderen im Vordergrund stehen.
Name, Spitzname
Alter
Aussehen
Stil
Stärken
Schwächen
Vorlieben
Abneigungen
Hintergrund/Vergangenheit
Ziele
Beziehungen zu Familie (Vater, Mutter, Geschwister, etc.) und zu Freunden

 

Ordnerstruktur

Das ganze (natürlich bis auf das Notizbuch) habe ich in einem Projektordner mit Arbeitstitel gespeichert. Ich habe eine ganze Reihe dieser Ordner und dazu eine Übersicht über alle Projekte und den jeweiligen Status.
In den jeweiligen Projektordner sind wiederum Unterordnet für
Einzelne Bände (bei Mehrteilern)
> Text > Versionen > einzelne Kapitel (mit Nummer und einem X falls noch nicht abgeschlossen)
> Meta > Tabellen und Sammler, Bilderordner und Musikordner
> Archiv > alles was rund um das Projekt herum geschrieben wurde, aber in der eigentlichen Geschichte keinen Platz hat.

 
Für mich funktioniert diese Art des Arbeitens bisher sehr gut. Es gibt auch einige Autorensoftwares die diese Dinge und noch vieles mehr automatisch machen und somit den Arbeitsablauf vereinfachen. Ich habe mir schon überlegt, ob ich so ein Programm ausprobieren soll, würde aber warten bis ich mit dem nächsten großen Projekt anfange.

2 Kommentare zu „Das halbe Leben

  1. Da haben wirs!
    Und da willst du mir erzählen, du wärst nicht strukturiert.
    PAH!
    Als wir uns neulich unterhalten haben, hätte ich dir das fast abgenommen. Das ist ist beeindruckend. Aber ich kann dir jetzt schon sagen: Für mich würde das nicht funktionieren. Ich meine, nicht, dass ich es nie versucht habe. Ein Epos kann nie wachsen, wenn man nicht die groben Eckdaten irgendwo festgehalten hat.
    Aber ich habe wie oft schon versucht so Kapitelübersichten zu machen.
    Alles, was bei rum kommt, ist vergeudete Zeit. Es muss in meinem Kopf, in meinem Herz und von da auf meiner Zunge und in meinen Fingerspitzen sein. Dann webt es sich von selbst. Wie eine Melodie. Aber die Theorie dahinter, die begreife ich nicht.
    Du scheinst sie ja förmlich zu meistern! 😉

    Liebe Grüße

    Sylvia

    1. Gerade die Kapitelübersicht ist zum Großteil erst im Nachhinein entstanden und hat dann als Basis für die Überarbeitung gedient. Erster Entwurf ist bei mir auch meist Bauchschreiben und dann nehme ich den ganzen Kladderdatsch und press ihn in eine schöne Form, schneide ab was nicht rein passt und stopfte ein paar Löcher.
      Melodie ist eigentlich ein gutes Stichwort. Ich bin ja ziemlich überzeugt dass sich das Schreibhandwerk gut mit Musik vergleichen lässt – an sich kann es jeder, aber sie Theorie dahinter verstehen nicht alle. Mit einem Minimum an Wissen darum bekommt man schon eine kleine Melodie hin, mit richtig viel Wissen ganze Kompositionen. Und trotzdem braucht es auch immer das Gefühl dafür. Genauso wie jeder, der einen falschen Ton hört das merkt, wenn er auch nicht sagen kann woran es liegt.

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