Rezension: Die Heldenreise im Film

Die Heldenreise im Film, Joachim Hammann

Ich habe das Buch schon einmal gelesen, damals zur Recherche für meine Bachelorarbeit. Es war mir eigentlich in recht guter Erinnerung geblieben, weshalb ich mich entschlossen habe es mir selbst zu kaufen.
Ich habe es noch nicht ganz fertig gelesen, aber mein Eindruck steht soweit. Also hier meine Rezension:

 

Kurz zum Inhalt

Joachim Hammann spannt in seinem Buch “Die Heldenreise im Film“ von der modernen Filmkunst über das antike Drama bis zurück zu frühgeschichtlichen Initiationsriten, die alle einen gemeinsamen Kern haben: sie sollen den Menschen bewegen und ihn zurück zur ursprünglichen Ganzheit führen, einem Zustand, der sich als “das Paradies“ in praktisch allen Kulturen findet. Die Heldenreise liefert dafür nicht nur das Drehbuch. Hammann analysiert an zahlreichen Filmbeispielen – moderne wie Klassiker – wie diese Struktur auf uns wirkt, welche Bilder, Assoziationen und Emotionen sie weckt und welche Bedeutung das für uns hat.

 

Das Buch als solches

Ich bin ja bibliophil und kaufe Bücher auch schonmal einfach weil sie schön sind, oder eben auch nicht, weil sie hässlich sind. Zweiteres wäre mit diesem Exemplar passiert, wenn ich es nicht via Internet bestellt hätte. Das Buch an sich ist einfach schlecht gemacht: bei Druck und Bindung wurde nicht auf Laufrichtung des Papiers geachtet, es knackt und knistert beim Umblättern, ist spröde und störrisch.
Typografisch ist es ein Desaster. Man stolpert immer wieder über die typischen NoGos, die sich eigentlich einfach vermeiden lassen. Allgemein ist das Buch grafisch unterste Schublade, alleine schon das nichtssagende Coverbild, auf dem man den Titel kaum bis gar nicht lesen kann. Das Cover der Erstausgabe war wesentlich schöner und ich beginne meinem Geld hinterher zu trauern.

 

Der Text

Der Inhalt kann mich leider auch nicht darüber hinweg trösten. Tonfall, Wortwahl und die übertriebene Nutzung von Ausrufezeichen lassen Herr Hammann nach den ersten Seiten klingen wie Walldorf und Stadler. Er beschwert sich im Vorwort über Kritiker der ersten Auflage, ist dabei selber wenig differenziert oder sachlich, wird teilweise ausfallend, vergällt dem Leser damit fast das Thema und natürlich das Buch an sich.
Auch im eigentlichen Text hat man das Gefühl, er wollte sich eher literarisch ein wenig austoben, mit Einwürfen, Wendungen, Spielereien und dergleichen, die den Text zerreißen und teilweise fast unleserlich machen. Den Anforderungen einer wissenschaftlichen Puplikation wird das Buch deswegen kaum gerecht.
Das Buch hätte womöglich ein Viertel weniger Seiten, wenn Herr Hammann sich nicht immer wieder wiederholen würde und auch einige Umschreibungen und Ausschmückungen weggelassen hätte. Nach etwa 130 Seiten denke ich mir: ja, das weiß ich jetzt schon alles, wie geht’s weiter?
Insgesamt folgt der Aufbauen des Textes dem Verlauf der Heldenreise, aber wie schon erwähnt wird jeweils soviel drum herum gesagt, soviel wiederholt und betont, dass man sich kaum mehr durchfindet. Es ist einfach nicht angenehm zu lesen, man verliert den Überblick und damit verliert das Buch einen Großteil seines Sinns.
Wer etwas über die Heldenreise als Plotgerüst erfahren möchte findet genug andere, bessere Quellen. Wer etwas über die Überlegungen hinter der Heldenreise erfahren will, der sollte sich Campbells Heros vornehmen. Hammann ist zu empfehlen wenn man leicht masochistisch veranlagt ist und sich ein paar Anregungen holen will.

 

Empfehlung?

Und das ist der Grund, warum das Buch doch durchaus zu empfehlen wäre: es enthält einige schöne Denkanstöße, gerade für Fantasy-Autoren. Ich habe mir beim ersten Lese vor ein paar Jahren und auch dieses Mal immer wieder gesagt: “Ach so!” und ”Das muss ich mal irgendwo mit einbauen!“ Die PlotBunnies hoppeln nur so. Insoweit lohnt es sich hinein zu schauen und ein wenig daraus mit zu nehmen. Aber wie gesagt: eine gewisse Resistenz gegen hässliche Bücher und schlecht geschriebene Texte muss man schon mitbringen. Und am besten leiht man sich das Buch tatsächlich, wie ich es beim ersten Mal getan habe. Denn sein Geld ist es leider nicht wirklich wert – zu undifferenziert und unsachlich, zu schlecht geschrieben und zu schlecht produziert.

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