November 2016 – ein Fazit

Für mich war er ja der erste Nanowrimo überhaupt. (Für die, die nicht wissen. was der National Novel Writing Month ist, hier eine Erklärung: Wikipedia: Nanowrimo) Ich habe erst im Tintenzirkel zum ersten Mal davon gehört und bin ein paar Jahre staunend und auch ein wenig neidisch daneben gestanden, während Autoren und Autorinnen um mich herum scheinbar eine Party gefeiert haben. Dieses Jahr wollte ich mir den Spaß nicht mehr entgehen lassen und habe mich recht kurzfristig entschlossen, es zu probieren.

Am 21. November hatte ich die magischen 50.000 Worte zusammen. Am 22. November habe ich mit etwas mehr als 57.000 Worten den Roman in seiner ersten Version beendet.

Jetzt, am 24. November sitze ich da und versuche irgendwie in den Alltag und meine anderen Projekte zurück zu kehren. Und ich glaube, dafür muss ich erstmal einen Schlussstrich ziehen und für mich selbst zusammenfassen, was vom November 2016 für mich übrig geblieben ist.

 

Ein ungeschliffener Diamant

Ich habe mir das Projekt Steingesicht vorgenommen, da mir die Geschichte schon seit einer ganzen Weile unter den Nägel gebrannt hat und ich sie endlich schreiebn wollte. Außerdem ist es kein besonders umfangreiches Projekt, eher ein kurzer Roman, für den ich dafür schon zu einem ziemlich großen Teil fertig geplottet hatte. Optimale Voraussetzungen eigentlich. Denn die Aussicht einen Roman im Nanowrimo zu beenden ist ausgesprochen anspornend und hat mich auch aus einigen Motivationslöchern rausziehen können.

Und nun sitze ich da und habe einen fertigen Roman vor mir liegen, von dem ich ganz genau weiß, dass ich ihn so nie rausgeben kann (außer an besonders vertraute Testleser). Einfach, weil er noch vollkommen ungeschliffen ist. Mir sind beim Schreiben wieder soviele Details und Wendungen auf- und eingefallen, die ich gar nicht miteinbringen konnte. Der Charakter der Erzählung, die Atmosphäre, hat sich grundlegend geändert und ich bin mir nicht sicher, wie ich dmait umgehen soll. Mit anderen Worten: ich muss das sogenannte Manuskript erst einmal einige Zeit liegen lassen um dann zu sehen, was ich tatsächlich daraus mache.

 

Vom Bauchschreiber zum Planer

Ich weiß, dass ich oftmals den Eindruck erwecke sehr strukturiert und planvoll an meine Projekte zu gehen. Aber in Wirklichkeit habe ich bisher immer alles einfach angefangen und mich überraschen lassen. Die Planung kommt meist hinterher, wenn ich schon eine gewisse Menge an Material habe.

Für den Nanowrimo wollte ich es anders probieren und habe mich tatsächlich hingesetzt und meinen Grobplot ausgearbeitet – unterteilt, durchgedacht, Themen und Metaphern herausgearbeitet, Verknüpfungen und Querverweise erstellt und festgehalten … usw. Und tatsächlich habe ich mich auch daran gehalten. Für die erste Hälfte oder circa zwei Drittel des Textes. Danach hatten sich, wie bereits erwähnt, wieder so viele Änderungen und Ergänzungen ergeben, dass ich versucht war meine übliche Arbeitsweise wieder aufzunehmen und erst einmal von vorne zu überarbeiten, bevor ich den Schluss schreibe.

Für so etwas ist aber im Nano keine Zeit. Deswegen habe ich nur die gröbsten und kleinsten Neuerungen eingefügt und mich zum Ende durchgekämpft.

Er war eine neue Erfahrung für mich, so zu arbeiten und ich denke, ich werde in Zulunft versuchen das Planen ernster zu nehmen.

 

Die große Party

Einer der Hauptgründe, warum ich mich trotz aller Bedenken entschlossen habe, es zu probieren, war der Tintenzirkel. Jeden November ist man als sogenanneter Nicht-Nanite dort ziemlich einsam, während aus dem Nebenraum laute Partymusik und Gelächter herüber dringt. Man bekommt ein bißchen was mit, man stellt sich vor, wie es wäre dabei zu sein und man überlegt dauernd, ob man nicht einfach rüber gehen soll.

So ging es mir in meiner Jugend immer mit Partys. Inzwischen bin ich älter und gehe ab und zu tatsächlich einfach rüber und klopfe an. Ein paar Kekse und ne Flasche Cola mitbringen, und man ist dabei.

Und genauso war es dann auch im Tintenzirkel. Selbst wenn ich die 50.000 nicht geschafft hätte, selbst wenn der Roman unvollendet geblieben wäre – dabei sein war für mich eigentlich alles und es war des Beste an der Sache. Feedback, Rückenwind, Unterstützung, Begeisterung – einfach das Gefühl, sich zusammen einer Herausforderung zu stellen, jeder auf seine eigene Art, aber doch Hand in Hand – das war wirklich wunderbar. Allein dafür werde ich es nächstes Jahr wieder tun.

Lückenfüller

Die größten Bedenken hatte ich vor dem Nanowrimo, was die Zeit betrifft. 50.000 Worte in 30 Tagen. Das ist kein Pappenstiel. Ich wusste, dass ich das schaffen kann. 2014 hatte ich mehr Worte in kürzerer Zeit geschafft – als ich mit Königskinder begonnen hatte und mich habemitreißen lassen. Aber damals hatte ich nur ein Kind, nicht zwei, und das war auch schon etwas älter, hatte gerade angefangen sinnvolle und zuverlässige Schlafenszeiten zu haben.

Ich habe mich da also ins kalte Wasser gestürzt. Und festgestellt, dass ich nach wie vor schwimmen kann. Im Schnitt ca. 2.000 Worte am Tag, an besonders guten um die 5.000 – das waren in etwa die Größenordnungen, die ich von mir gewohnt war und siehe da – es gibt mich also tatsächlich noch. Irgendwo zwischen Kinder füttern und versorgen, spielen, schlafen gehen, nochmal aufwachen, erziehen, etwas Haushalt, etwas Freizeit – dem ganzen Mama-Sein, ist tatsächlich noch etwas Raum fürs Mona-Sein.

 

Was also nehme ich aus dem November 2016 mit fürs Jahr 2017, in dem ich ja vor hatte meiner Karriere als Fantasyautor so nen richtigen Tritt in den Allerwertesten zu verpassen, damit sie mal in die Gänge kommt? Vor allem, dass es geht, dass ich es noch kann. Dass ich nur den Mut haben muss mich hinzusetzen und es zu machen. Dass es nicht nur „trotz“ allem geht, sondern gerade „wegen“ allem gut wird, weil das Mama-Sein tatsächlich ein großer und wundervoller Teil vom Mona-Sein geworden ist.

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