Unter Kollegen – Interview mit Bloggerin Samira Dürig

Heute fassen wir den Begriff der Kollegen etwas weiter – im Prozess eines Buches sind ja unheimlich viele Parteien beteiligt, vom Autor über Lektoren, Verleger bis hin zum Leser. Dazwischen irgendwo tummeln sich schon seit langer Zeit Journalisten und Kritiker und seit dem Aufstieg des Internets und Social Media auch sehr viele Blogger und vor allem Bloggerinnen. Gerade als Selfpublisher und Autor bei Kleinverlagen, hat man manchmal das Gefühl, dass ohne sie nicht mehr viel geht im Bereich Marketing. Grund genug, heute mal den Spieß umzudrehen und als Autorin eine Buchbloggerin ein paar Fragen zu ihrer Arbeit und ihrem Leben mit Büchern zu stellen.

Ein herzliches Willkommen also für Samira von Zebrabooks!

 

 


 

Hallo liebe Mona. Ich finde es lustig und schön, mal nicht die Fragen sondern die Antworten zu schreiben!

 

Zunächst mal ein paar der klassischen Fragen, die jeder Blogger wohl schon mal seinen Autoren gestellt hat: Wer bist du, woher kommst du und wie bist du eine Leseratte geworden?

Samira>> Ich bin Samira, 18 Jahre alt (in ein paar Wochen 19). Meine Eltern sind aus der Schweiz, sind aber vor über 20 Jahren nach Senegal ausgewandert, wo ich aufgewachsen bin. Auf einem wunderschönen Camping Zebrabar, unser eigenes Paradies, habe ich bis vor 3 Monaten mit meinen 2 Geschwistern und meinen Eltern gelebt. Im Moment bin ich in der Schweiz für mein Studium. Da ich mit vielen Sprachen aufgewachsen bin, war es klar, dass ich etwas mit Sprachen studiere, und das tue ich auch: übersetzen und dolmetschen. Es macht Spaß und ich habe total liebe Freunde gefunden. Meine Familie und mein Zuhause fehlen mir sehr, aber zum Glück habe ich als Studentin sehr oft und lange Ferien 😉
Ich lese schon lange, darum kann ich nicht genau sagen, wie und warum ich so eine Leseratte bin. Aber ich denke, die Hängematten, die bei uns überall rumhängen, haben mich fast dazu gezwungen!

 

Welches sind deine Lieblingsgenres und welche würdest du nie anfassen?

>> Ich bevorzuge ganz klar Fantasy. Am liebsten mag ich Romantasy, denn was wäre die Literatur ohne eine Prise Liebe?
Allerdings bin ich ein riiiiesen Angsthase und würde mich deshalb nie an Horror oder Thriller trauen; Erotik ist auch nicht meins.

 

Hast du ein Lieblingsautor und ein Lieblingsbuch?

>> Die Frage die alle fürchten. *lach*

Nein, also wer mich kennt, weiß, dass ich Marah Woolf liebe. Natürlich mag ich ganz viele Autoren total gerne aber bei ihr ist es etwas ganz spezielles. Es war die Liebe auf das erste Buch 😉 Sie an der FBM zu treffen war ein riesen Highlight, vor allem weil sie noch sympathischer war, als ich dachte.

Deswegen muss ich bei „Lieblingsbuch“ natürlich auch an die ihren denken.

Ich weiss, du hast nach einem gefragt, aber ich liebe doch so viele! Ich könnte mich nie entscheiden! Alleine dieses Jahr habe ich so viele tolle Bücher gelesen.

Deswegen zähle ich ein paar auf, auch wenn die Liste nicht komplett sein kann:

  • Bookless von Marah Woolf,
  • Die „A shade of vampire“ Saga von Bella Forrest
  • Harry Potter von J. K. Rowling
  • Twilight von Stephenie Meyer
  • Die Edelstein Trilogie von Kerstin Gier
  • Soul of Stars von Anika Ackermann
  • Rockleben von Alexandra Fischer
  • Secrets von Maria M. Lacroix
  • Über alle Grenzen von Maya Shepherd

Und so weiter! Es tut mir leid, dass ich die Frage einfach nicht richtig beantworten kann! *lach*

 

Was gehört für dich zu einer gelungenen Geschichte dazu?

>> *Waaaaaas?????*

Genau das gehört dazu. Ich muss irgendwann beim Lesen einfach denken WTF! Nicht weil ich es unlogisch oder schlecht finde, sondern weil ich überrascht bin und die Wendungen nicht vorhersehen konnte. Wenn das passiert,  finde ich das Buch meistens genial.

 

Print oder eBook?

>> Ehrlich gesagt mag ich beides.

Lange musste ich mich mit Ebooks zufrieden geben, weil ich in Senegal war und keine Bücher kaufen konnte. Da habe ich gelernt, ebooks zu lieben. Mit einem Klick konnte ich mir ein Buch holen, auf das ich sonst Monate hätte warten müssen.

Dann kommt noch dazu, dass man mit Ebook im Dunkeln lesen kann, Geld und Platz sparen kann und liegen kann wie man will.

Aber natürlich liebe ich auch Prints. Meine kleine aber feine Sammlung ist mein ganzer Stolz und zaubert mir immer ein Lächeln aufs Gesicht, wenn ich in mein Zimmer komme. Auch das Lesen fühlt sich anders an. Besonders liebe ich meine Prints aber, weil 47 davon signiert sind. Sie sind mein größter Schatz und nicht ersetzbar.

 

Du sprichst ja mehrere Sprachen. Liest du auch Bücher auf Englisch oder Französisch? Oder bevorzugst du Deutsch?

>> Die Antwort erstaunt immer wieder. Also sprechen und schreiben kann ich am besten auf Französisch. Aber irgendwie sind Bücher auf Französisch, egal wie banal das Thema ist, immer in einem mega ätzenden, aufgetakelten Schreibstil. Es wird einfach nicht geschrieben wie gesprochen wird, und das nervt. Die brauchen sogar in Kinderbüchern „passé simple“!!

Deswegen lese ich schon immer viel lieber deutsche Bücher. Das ist wahrscheinlich ein Segen, weil ich sonst auf meinem Schweizerdeutsch hocken geblieben wäre *lach* .Ich habe mir quasi das Schreiben auf Deutsch selbst beigebracht in dem ich gelesen habe.

Auf Englisch habe ich auch ganze 50 Bücher gelesen. Und zwar weil ich die Reihe „A shade of Vampire“ von Bella Forrest so toll fand und das Warten auf die Übersetzungen nicht mehr ertragen konnte. Da dachte ich mir: „Wieso nicht einfach auf Englisch weiterlesen?“ Tja, und die Reihe ist lang, sehr lang!! Und vor allem: sie ist noch nicht zu Ende! Es geht weiter!

Und auch das war wahrscheinlich ein Segen, denn so hat sich mein Englisch sehr verbessert.

 

Wieviel Zeit nimmt dein Hobby als Bloggerin in Anspruch und wie vereinst du das mit deinem Leben als Studentin?

>> Das ist ein bisschen ein wunder Punkt. Ich liebe mein Studium, ich liebe meinen Blog, ich liebe es, auf anderen Blogs aktiv zu sein, liebe es zu lesen. Aber ich schlafe auch gerne *lach*

Es ist tatsächlich alles zusammen etwas viel, und manchmal zu viel. Mir hilft es dann, ein paar Tage einfach nichts zu posten. Schlussendlich denke ich, man muss einfach Prioritäten setzen, und innerhalb dieser Prioritäten an manchen Tagen die einen bevorzugen. So kommt es vor, dass ich an einem Tag nur blogge und lese, und am nächsten Tag drei Aufsätze schreibe und fünf Grammatik Übungen mache.

 

Wie lernst du die Autoren kennen, mit denen du zusammenarbeitest?

>> Das ist ganz unterschiedlich. Bei manchen ergibt es sich einfach, weil ich Bücher von ihnen gelesen habe und sie auf meine Rezension reagieren.

Andere „bewerben“ sich für Aktionen, die ich plane.

Früher habe ich mich auch für Rezensionsexemplare beworben und bin so in Kontakt mit den Autoren gekommen. Heute mache ich das nicht mehr. Nichts gegen Reziexemplare aber mich setzen sie unter Druck und ich verliere die Freude am Lesen ein wenig.

Andere Autoren wiederum schreiben mich an, und bieten mir eine Zusammenarbeit an.  Bei denen nehme ich manchmal auch noch Reziexemplare an aber nur, wenn sie mir seeeehr viel Zeit lassen.

 

Wie gehst du eine Rezension an, welche Kriterien sind für dich wichtig oder geht das mehr nach Gefühl?

>> Jede meiner Rezensionen ist anders aufgebaut. Ich schreibe immer das, was mir besonders positiv oder negativ aufgefallen ist. Deswegen würde ich sagen, dass ich auf keine speziellen Kriterien achte.

 

Heftig diskutiert wird in letzter Zeit auch, ob ein freies Rezensionsexemplar eines Buches – egal ob Print oder eBook – schon als Bezahlung an einen Blogger gewertet werden kann oder muss. Viele befürchten, dass in so einem Fall die Rezension eher Werbung als ehrliche Meinung ist. Wie handhabst du das, wenn du ein Buch bekommst, das dir aber einfach nicht zusagt?

>> Generell würde ich sagen, ich behandle alle Bücher gleich und alle meine Rezensionen sind unparteiisch. Allerdings fällt es mir sehr schwer, eine schlechte Rezension zu schreiben. Einfach weil ich denke, dass diese eine Meinung das Buch vielleicht runterbringen kann, obwohl es anderen vielleicht gefallen hätte. Ich weiß, genau diese verschiedenen Meinungen machen den Sinn der Rezensionen aus. Aber ich mache es halt trotzdem nicht gerne. Darum frage ich die Autoren, wenn mir ein Rezensionsexemplar nicht gefällt, ob sie wirklich eine Rezension wollen, und erkläre ihnen, warum ich das Buch nicht mag. Aber ein für mich schlechtes Buch bekommt ganz sicher keine gute Rezension. Eine ehrliche, schlechte oder gar keine.

 

Liest du mehr Bücher von Selfpublishern, von Kleinverlagen oder aus den großen Publikumsverlagen? Gibt es da für dich Unterschiede?

>> Gute Frage. Vor meiner Zeit als Bloggerin habe ich tatsächlich vor allem berühmte Bücher aus großen Verlagen gelesen. Aber nicht nur.

Inzwischen habe ich sehr viele kleine Verlage und Selfpublisher kennengelernt und bewundere ihre Arbeit.

Aber der einzige wirkliche Unterschied für mich ist, dass Bücher von Selfpublisher oder kleinen Verlagen persönlicher sind. Man kann die Bücher direkt bei den Autoren, manchmal sogar signiert, bestellen und lernt somit die Autoren der Geschichten kennen. Das schätze ich sehr und ist mir inzwischen viel wichtiger, als dass es ein Bestseller ist.

 

Sehr beliebt sind inzwischen wohl auch langfristige Kooperationen zwischen Blogger/innen und Autor/innen – also nicht nur zu einem einzelnen Buch, sondern auch Updates zu neuen Werken und sonstigen Aktionen. Interessiert dich dieses Modell der Zusammenarbeit auch und wie würdest du dir so etwas vorstellen?

>> Ich bin tatsächlich schon in etwa 10 Blogger-Crews. Ich finde das sehr spannend und genieße es, Infos über neue Bücher zu kriegen bevor sie öffentlich sind, und Bücher vor ihrem Veröffentlichungsdatum zu lesen. Ich finde es eine Ehre, für und mit guten Autoren zu bloggen.

 

Wenn man sich in Social Media herumtreibt gerät man ja schnell mal in Filterblasen hinein, deswegen ist ein Blick über den Tellerrand immer wichtig und gut und bei dir geht dieser Blick sehr weit – du hast lange in Afrika gewohnt und bist dort auch zur Schule gegangen. Welchen Stellenwert hat Lesen dort?

>> Ich habe vieles in Senegal gelernt, aber ganz sicher nicht meinen Geschmack für Bücher. Nur die jüngeren Generationen können überhaupt lesen und Bücher sind höchstens als langweiliges Schulmaterial angesehen. Allerdings denke ich, dass das schon noch kommen wird. Wenn erst mal die Bevölkerung lesen und schreiben kann, es auch ausserhalb der Grossstädten Bibliotheken und Buchhandlungen gibt, in denen man anderes als Schulbücher findet, wird auch in Senegal mehr gelesen werden. Davon bin ich überzeugt.

 

Diversität in Geschichten ist ein genauso großes Thema wie am Markt selbst. Autoren mit afrikanischem oder asiatischem Hintergrund haben in letzter Zeit von sich Reden gemacht. Kennst du junge afrikanische Autoren, die du empfehlen kannst?

>> Da muss ich leider enttäuschen: nein. Es gibt sicher junge afrikanische Autoren, aber ehrlich gesagt, habe ich mich in den letzten Jahren sehr auf den deutschen Buchmarkt konzentriert. Oder besser gesagt auf den deutschen Fantasybuchmarkt.

Die einzigen afrikanischen Autoren, deren Bücher ich gelesen habe, sind schon lange nicht mehr jung. Gut sind ihre Bücher natürlich trotzdem, deswegen erwähne ich sie:

  • Seydou Badian
  • Mariama Bâ
  • Ferdinand Oyono
  • Abdoulaye Sadji

Allerdings haben ihre Bücher nichts mit Fantasy zu tun 😉

 

Apropos Filterblasen: ich persönlich habe oftmals den Eindruck, dass Alle um mich herum lesen und schreiben und kann mir auch kaum vorstellen, dass jemand, der sich für Bücher begeistert, nicht selbst schreibt. Wie sieht es bei dir aus? Hast du selber Ideen für Geschichten und willst sie eines Tages umsetzen?

>> Ich habe tatsächlich Ideen. Ziemlich ausgereifte und genaue sogar, aber irgendwie komme ich nicht dazu, sie aufzuschreiben. Ich finde es aber auch sehr schön, dass diese Geschichte in meinem Kopf und meinem Herzen lebt. Es ist mein ganz persönlicher Zufluchtsort, den ich zum Teil wie mein Zuhause gestaltet habe, und in dem mich niemand erreichen kann. Und irgendwann teile ich diesen Ort, diese Leute, diesen Teil von mir mit der Welt. Aber dazu bin ich noch nicht bereit.

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