#9 | Die Ruine

Der Gestank nahm Vargas fast den Atem als er zuschlug. Das dumpfe Klatschen seiner Faust in Marjellas Gesicht hingegen war wundervoll. Er rollte herum und zerrte sie zu Boden, drückte sie runter. Ein gellender Schmerz zog durch seinen ganzen Körper. Sie hatte ihm das Knie zwischen die Beine gerammt.
Vargas kämpfte gegen den Impuls sich zusammen zu krümmen, schloss stattdessen seine Finger fester um den Hals der Elfe. Sie schlug ihm ihren gepanzerten Arm gegen die Schläfe. Vargas keuchte auf und für einen Moment tanzten bunter Lichter vor seine Augen. Marjella wand sich aus seinem Griff, stieß ihn von sich. Er stemmte sich gegen sie, sie trat wieder zu und beförderte ihn zur Seite, rollte sich von ihm weg. Vargas packte ihren Mantel, um sie zurück zu reißen, aber sie warf ihm den Stoff entgegen. Mit einem zornigen Schrei wich Vargas aus und sprang auf.
Ich werde sie mit bloßen Händen erwürgen. Dann werde ich ihren toten Körper an ein Pferd binden und hinter mir her schleifen, zurück nach Ashuraya. Was dann noch übrig ist können vor mir aus die Priester und Wölfe haben.
Roter Nebel stieg vor seinen Augen auf. Vargas knurrte. Marjella hatte ein Messer gezogen. Ihre Miene war gehetzt und voller Abscheu. Etwas stimmte nicht, stellte Vargas fest. Ihre kalt brennenden Augen waren die einer Elfe. Aber der Rest passte nicht. Ihre Züge waren zu grob, ihr Haar zu dunkel, ihre Statur zu kräftig.
“Dreckiges Halbblut”, fauchte Vargas und griff an.
Sie wich ihm nicht aus, empfing ihn mit ihrer Klinge. Vargas wand sich daran vorbei, nahm eine langen Schnitt über seinen Arm in Kauf, drehte sich und rammte Marjella seinen Ellbogen ins Gesicht. Sie taumelte zurück. Vargas packte ihre Hand und zog ihr das Messer aus den überraschten Fingern. Bevor er es benutzen konnte stieß Marjella ihn von sich, setzte mit einem Tritt nach. Vargas stolperte, rollte sich ab und kam gleich wieder auf die Beine. Er sprang und prallte gegen Marjella. Sie packte seine Hand und drückte das Messer darin von sich weg.
Für einen Augenblick rangen Alb und Halbelfe miteinander.
“Ich kupier dir die Ohren“, zischte Vargas Marjella an. “Vielleicht bekommen wir dann ein passables Menschenweib.“
Sie antwortete mit einem Raunzen und ließ plötzlich ihren Widerstand fahren. Vargas’ Hand und das Messer darin schossen auf sie zu. Sie lenkte die Bewegung von sich weg, drehte sich und zielte mit ihrer geballten Faust zwischen Vargas’ Rippen.
Vargas schnappte nach Luft, beugte sich unwillkürlich vor. Marjella fuhr herum und trat ihm ins Gesicht.
Vargas taumelte zurück, fing sich und brüllte, halb blind vor glühendem Zorn.
Ja, eindeutig ein Halbblut. Nicht geschickt genug. Nicht stark genug. Viel zu impulsiv. Keine von den echten würde sich zu so etwas herablassen.
Vom Fluss her kamen Rufe. Die Menschen wollten ihrer Anführerin zur Hilfe eilen, waren aber zu Beginn des Kampfes zum Großteil noch nackt und unbewaffnet gewesen. Erst jetzt hatte es zwei vom ihnen geschafft, sich soweit auf Vordermann zu bringen, dass sie einen Angriff wagten.
Vargas wandte sich Marjella zu, drehte das Messer zwischen seinen Fingern und knurrte: “Komm her, hässlicher Bastard! Das hier geht nur uns beide etwas an.“
Sie schnaubte nur zur Antwort und zog sich zurück, wollte offensichtlich auf Unterstützung warten.
Vargas sprang vor. Marjella drehte sich zur Seite. Er hatte ihre Bewegung voraus geahnt, folgte ihr geschickt und stach zu. Stoff riss mit einem scharfen Geräusch und Marjella machte erschrocken einen Schritt zurück. Vargas folgte ihr ohne nachzudenken, stolperte, fiel und riss Marjella mit sich. Sie versuchte zu treten. Er hielt ihr Bein fest, schlang einen Arm darum und hob das Messer. Ein Schnitt an der richtigen Stelle würde ausreichen um sie verbluten zu lassen.
Marjella fuhr auf und schlug zu. Vargas steckte den Hieb weg. Ihre Finger legten sich um seinen Kopf. Er ignorierte es, konzentrierte sich auf das Messer, den Schnitt und sein Ziel als plötzlich silbrig-weißes Licht seinen Kopf füllte.

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