#13 | Die Ruine

“Links von mir.”

Marjella hielt inne, als Vargas die Worte hervorpresste. Sie konnte sehen dass sein ganzer Körper verkrampft und starr war. Es musste ihn viel Kraft gekostet haben, sich selbst zum Sprechen zu bringen.

Sie drehte den Kopf und betrachtete die rostigen Schwerter, Messer und Dolche. “Etwas präziser.” Sie schloss die Hand fester um Vargas’ Haare.

Er antwortete nicht, zitterte, kämpfte mit sich selbst. Marjella hatte seine Erinnerungen gespürt, konnte in etwa erahnen, was in ihm vorging. Sie lächelte und drückte ihm ihre kalte Klinge in den heißen Nacken. Der Schauder, der ihn durchlief, seinen Rücken streckte, das Mal zucken ließ und ihm die gefesselten Arme verdrehte, gefiehl ihr.

“Präziser“, flüsterte sie.

Vargas zwang seinen Kopf herum und richtete seinen Blick auf die alten Waffen. Marjella nickte Furgam zu, der mit einem Grummeln ging und sich dem verwesenden Stahl näherte. Vorsichtig bahnte er sich einen Weg durch die Klingen, schob sie mit seinem eigenen Schwert bei Seite, bis er in etwa die Stelle erreicht hatte, die Vargas anstarrte.

Der Kopfgeldjäger zog einen prachtvollen Krummsäbeln aus dem Überresten.

Marjella stieß Vargas an und der schüttelte den Kopf. Sie riss an seinen Haaren. “Mach den Mund auf!“

“Ich sehe es nicht genau“, zischte er zwischen den Zähnen hervor. “Irgendwo dort drinnen, weiter unten. Es leuchtet.“

“Da leuchtet gar nichts“, maulte Furgam.

Marjella verzog den Mund. “Such’ weiter.“

Furgam holte ein weiteres Schwert aus dem Haufen, die Klinge lang und gerade. Es musste einstmals eine wundervolle Waffe gewesen sein, einem König würdig. Nun zerbrach der Griff bei der kleinsten Berührung.

Vargas schüttelte den Kopf.

Mit einem lauten Fluch grub Furgam tiefer, zerrte einen Dolch hervor.

“Das nicht“, murmelte Vargas.

“Die Scheiße wäre einfacher, wenn hier nicht auch noch Schutt und sonstiger Müll herum liegen würde.“ Furgam warf einen alten Helm fort und packte dann zwei Trümmerstücke.

“In deiner rechten Hand“, sagte Vargas.

“Was?“ Marjella und Furgam starrten ihn überrascht an. Dann gingen ihre Blicke zu den Steinen. Furgam ließ einen fallen und hielt den anderen hoch.

“Ja“, knurrte Vargas.

“Das ist ein verdammter Stein!“

Vargas schnaubte.

Marjella lachte auf.

“Was soll der Scheiß!?“ Furgam kämpfte sich zu ihr durch. “Der verarscht uns doch, Boss! Los, schneid’ ihm endlich was ab.“

Marjella ignorierte Vargas’ brennenden Blick und streckte die Hand nach dem Stein aus. Er war kaum größer als Furgams Faust, rund und ohne besondere Merkmale. Der Fels, aus dem er gelöst worden war, sah genauso aus wie die Trümmer des Tempels. Vielleicht hatte er tatsächlich schon immer hier gelegen.

“Du glaubst ihm?“, brummte Furgam.

“Es macht Sinn“, antwortete sie. “Als das erste Mal ein vernunftbegabtes Wesen ein anderes getötet hat, war wohl kein Schwert zur Hand. Damit hat man wahrscheinlich erst später angefangen.“

Furgam starrte auf den Stein. “Das ist doch lächerlich. Dafür haben wir dieses ganze Theater gemacht?“

Marjella hob die Schultern. “Es geht nicht um den Stein. Es geht um … das, was … darin ist, wenn ich Usman richtig verstanden habe. Es ist ein Artefakt. Eine Art Gefängnis.“ Sie warf den Stein in die Höhe und fing ihn wieder auf. “Und wenn der Idiot mit nicht die richtigen Anweisungen geben kann oder will, dann ist er selber Schuld, wenn Fehler passieren.“

Furgam schnaubte. “Du machst keine Fehler. Du sicherst dich immer doppelt ab.“

Marjella nickte und versetzte Vargas einen Stoß. “Bist du dir sicher?“

“Nein“, sagte er barsch. “Ich weiß nicht was ihr sucht. Und ich weiß nicht, was das da ist. Aber es ist kein normaler Stein. Ich sehe ihn leuchten. Ich … weiß, dass er der Grund ist, weshalb man diesen Tempel erbaut hat. Und ich weiß, dass das was in mir ist, auf ihn reagiert.“

Marjella beobachtete wie Vargas bei diesen Worten zitterte und sich wand. Die Nähe des Steins war ihm unangenehm. Er stemmte sich gegen seine Fesseln, um davon weg zu kommen.

Sie seufzte und steckte ihr Messer ein. “Gut.“

Furgam schüttelte den Kopf. “Das war es also?“

“Soweit schon.“

“Dann bringen wir jetzt Usman einfach diesen Stein und sagen: passt schon, was anderes gab es nicht?“

Marjella lächelte. “Einen Test habe ich noch.“

Sie holte aus und schmetterte den Stein gegen Vargas’ Kopf.

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